Nachdem ich euch nun monatelang mit Erlebnisberichten gequält habe, folgt nun ein neuer Eintrag für die Donkeythoughtsektion.
Dieses mal beschäftige ich mich mit einem sehr wichtigen Nebenaspekt…
dem Mindset eines Pokerspielers.
Ein gutes Mindset, oder zu deutsch auch die gesunde Bewusstseintshaltung/geistige Einstellung, ist elementar für den Erfolg am Pokertisch.
Pokern (ich meine damit No Limit Holdem) ist kein Glücksspiel…
sondern ein Geschicklichkeitsspiel mit Zufallselementen.
Nach dem Gesetz der großen Zahlen gleicht sich Glück und Pech eines jeden Spielers theoretisch gesehen irgendwann wieder aus.
Ergo wäre Pokern ohne Spielgebühr ein Nullsummenspiel.
Dass dem aber nicht so ist, sieht man am Erfolg einiger Pros.
Es gibt Spieler, die sind so gut, dass sie mit Pokern Millionen verdient haben…
und das nicht durch einen lucky Hit im Turnier…
sondern über einen längeren Zeitraum hinweg mit einer großen Samplesize. *[1] *[2]
Und wiederum andere Spieler, die konstant verlieren (*zu einem meiner Leser rüberschiel*).
Der Unterschied zwischen einem Losing und Winningplayer liegt in der Quantiät, mit der er qualitative Entscheidungen trifft.
Der Spieler, der im Vergleich zu seinen Kontrahenten häufiger zur richtigen Schlussfolgerung kommt :
-also foldet wenn er hinten ist
callt/raist/setzt, wenn er vorne ist…
wird häufiger einen Pot einstreichen, als Jemand, der :
-gegen die Wahrscheinlichkeit spielt
(für viel Geld nach 4 Outern jagt, obwohl es 40 Karten gibt, die gegen ihn spielen)
-die Stärke seiner Hand überschätzt
(nicht realisiert, dass der Gegner einen da beat haben muss)
-sich zu oft rausbluffen lässt
-in den falschen Situationen blufft, oder aber die Spots verpasst, in denen ein Bluff/Steal/Rebluff sehr erfolgsversprechend ist.
Man kann No Limit Holdem mathematisch komplett auseinanderfrimeln.
Anhand der Setz-, Fold-, Call-, Raise-häufigkeit kann man das Setzverhalten der Spieler analysieren und exploiten.
Und für jede Hand einen optimalen Weg finden(Fallen aufstellen, light Valuebetten, vom Gaspedal gehen, Herocallen, tight folden, …).
Eine gute Beobachtungs-, Kombinations- und Erinnerungsgabe hilft dabei, die Informationen aufzunehmen und auszuwerten.
Jede Einzelne Information kann hilfreich sein…
manchmal sind es Kleinigkeiten…
wie die fehlenden Contibets/Limps mit marginalen Händen, die divergierenden Einsatzhöhe bei Bluffs (rauspressen) und Valuebets (lutschen), strange Calls, Veränderungen in der Spielweise (tilt)… oder im Livegames die Körpersprache, Timetells, Chipbewegungen, Ticks … die einen etwas verraten oder bei unklaren Entscheidungen den richtigen Weg weisen können…
und manchmal ist es pure Unvernunft/geistige Abwesenheit, die zum Verlust führt.
Fakt ist, Poker ist ein Denkspiel. Und auf lange Sicht können wir nur gewinnen, wenn wir auch bei der Sache sind.
Nun bringt nicht jeder die gleichen Voraussetzungen mit…
der Eine ist sehr geschickt im logischen Denken, hat aber ein schlechte Aufassungsgabe, der Andere hat von Mathematik kaum ne Ahnung, besitzt aber ein herausragendes Gedächtnis und Nummer 3 hat von Jedem etwas.
Man wird durch ein paar Übungen nicht von heute auf morgen zum neuen Einstein, weil Genetik und frühere Beanspruchung die Grundstrukturen in unserem Gehirn gelegt haben (und die personentypischen Stoffwechselprozesse es noch immer tun)…
aaaber… das Gehirn ist von plastischer Beschaffenheit … und man kann einzelne Fähigkeiten trainieren und sich verbessern.
Für Gedächtnis und Logik gibt es unzählige Bücher, Lehrgänge und Trainingsprogramme für den Computer und die neueren Smartphones.
Darauf einzugehen, würde aber den Rahmen sprengen.
Deshalb biete ich euch dazu nur weiterführende Links an :
http://www.zmija.de/mnemotechnik.htm
http://www.brain-fit.com/html/logik.html
http://www.gedaechtnistraining.net/
Worauf ich euch sensibilisieren möchte, ist der richtige Umgang mit euren vorhandenen Kompetenzen.
Mindsetoptimierung alleine kann aus einem unerfahrenen Losingplayer keinen Winningplayer machen, …
dafür bedarf es Strategiewissen und Erfahrung (Pokerstrategy hat einen sehr umfangreichen/gut verständlichen Lernkontent & das vermutlich Beste, aber auch anspruchsvollste Pokerstrategiebuch = the Mathematic of Pokern).
Slightlosingplayer können durch diesen Text aber vielleicht zu Breakevenplayern+ aufsteigen, Breakevenplayer zu Winningplayern werden und Slightwinningplayer ihre Winrate boosten.
Nun… ich sehe fast tag-täglich am Pokertisch wie unterschiedlich gut die Qualität meiner Entscheidungen und die der anderen Spieler ausfällt.
Unser Gehirn funktioniert nämlich nicht immer gleichgut oder schlecht.
Gerade wenn wir “emotionalisiert” sind, funktionieren bestimmte Bereiche in unserem Gehirn nicht mehr so gut.
Das ist eine evolutions-geförderte Schutzfunktion, die höheres Denken bei Stresssituationen ausschaltet und aufs Wesentliche (Flucht/Kampf) reduziert.
Grund für den Stress? -> ist der Bezug zum Geld…
unser Gehirn hat damit was Vorteilhaftes veknüpft… und die Emotionen “sollen” das Individuum in die richtige Bahn lenken (so dass es Verlustsituationen meidet).
Am Pokertisch ist dieses Relikt aus vergangener Zeit aber unpraktisch.
Jemand der auf Tilt geht, schadet sich damit vorallem selbst.
Einserseits durch den Stress an sich…
und weil er dadurch noch mehr Geld verlieren wird, als er es sowieso schon getan hat.
Lösungsvorschläge:
a) man arbeitet an seinem Bezug zum Geld (/sich selbst und programmiert seine Ansichten um, in dem man falsche/angstbedingende Ansichten überlagert)
b) man übt sich in mentaler Kontrolle (Entspannungsübungen-> Unterbrechen von Tiltempfindungen, Unterbinden der Hirnwichserei / das Wiederkäuen von Problemen -> allgemeine Gelassenheit/Tiltunempfänglichkeit) / lässt sich vom Neurologen was verschreiben
c) man spielt nur noch um Beträge, die einem egal sind
e) hört auf mit Pokern
C ist bei Vielen vielleicht gleichzusetzen mit dem D, weil das die treibende Kraft ist(bei Welchen, die nicht spielsüchtig sind oder durch die gesellschaftliche Ablenkung/Zuwendung nach Zerstreuung suchen).
Ich wollte euch aber kein Exkurs in Psychologie darbieten, sondern nur erklären, wie ihr damit umgehen könnt.
Und der erste Schritt ist :
gar nicht erst zu spielen, wenn man nicht in der Stimmung dazu ist…
bzw. das Spiel zu quitten, wenn man unkonzentriert, müde oder auf tilt ist.
Achte nicht auf die Downs…
Versuch nicht deinen Verlusten nachzurennen…
Poker ist eeine laange Session…
und morgen ist auch noch ein Tag.
Wenn Du Deine Edge verspielst und anfängst zu gambeln, wirst Du vielleicht zum größten Donk am Tisch.
Das Nichtbefolgen dieser einfachen Weisheit führt sehr häufig zu einerAbwärtsspirale…
auch Alkohol drückt die Gewinnspanne / kann schnell ein finanzielles Desaster hervorrufen.

Und Keiner der regelmäßig große Mengen konsumiert, wird den Durchschnitt+Rake über Jahre schlagen können…
(ich weiß, wovon ich rede…
& tinke mittlerweile kaum noch bei nl100+)
Ganz wichtig für das Mindset ist das Bankrollmanagement.
Viele die auf Scared Money spielen entscheiden sich nicht für den besten Weg/sondern spielen auf Verlustminimierung->geraten auf Tilt.
Ein adäquates Bankrollmanagement (beim Cashgame mind. 20×100bb) erhöht hingegen die Toleranz/Frustgrenze bei nem Verlust.
Entspannungs-/Konzentrationsförderungstechnik:
man setzt oder legt sich an einem ruhigen Ort bequem hin…
-atmet bewusst ein und aus…
-verfolgt den Weg der Atmung
-macht sich bewusst :
ich atme ein…
ich atme aus…
spürt das Heben und Senken der Bauchdecke…
und registriert : wenn man an etwas (Anderes) denkt.
Sobald man in Erinnerungen schwelgt… etwas plant, Probleme wälzt… hält man sich vor Augen, dass man in Erinnerungen schwelgt…
und richtet seinen Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung…
Sinn der Sache ist es, seinen geistigen Fokus zu schärfen…/ überflüssige und schädliche Gedankengänge/erlernte Reaktionen (die, die Stress/Zorn/Angst/Trauer/Wut/Verzweiflung/Stress bedingen) im Keim zu ersticken…und sein Gehirn so zu optimieren.
(denn das hilft ebenfalls am Pokertisch)…
Zu guter Letzt noch ein Keyskill zum Success : Tableselection.
Wer sich eingesteht/wer erkennt, dass er seinen Gegnern spieltechnisch nicht gewachsen ist…
und dann nicht spielt, kann sogar vom slight-Losingplayer zum Winningplayer werden
inspiriert durch:
-The Poker Mindset : essential Attitudes for Poker Success
-Neurobiologie
und eine alt-indische Philosophie
[1] [2]
http://www.fuzionpoker.com/online-poker/best-worst-online-poker-players/
http://www.pokertableratings.com/top-poker-winners-year
http://www.pokerlistings.com/market-pulse/poker-player-stats/money-losses
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