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Categories » ‘Donkeythoughts (Strategy)’

Mindset-Training für die Nerds

August 14th, 2011 by max

Nachdem ich euch nun monatelang mit Erlebnisberichten gequält habe, folgt nun ein neuer Eintrag für die Donkeythoughtsektion.

Dieses mal beschäftige ich mich mit einem sehr wichtigen Nebenaspekt…
dem Mindset eines Pokerspielers.
Ein gutes Mindset, oder zu deutsch auch die gesunde Bewusstseintshaltung/geistige Einstellung, ist elementar für den Erfolg am Pokertisch.
Pokern (ich meine damit No Limit Holdem) ist kein Glücksspiel…
sondern ein Geschicklichkeitsspiel mit Zufallselementen.
Nach dem Gesetz der großen Zahlen gleicht sich Glück und Pech eines jeden Spielers theoretisch gesehen irgendwann wieder aus.
Ergo wäre Pokern ohne Spielgebühr ein Nullsummenspiel.
Dass dem aber nicht so ist, sieht man am Erfolg einiger Pros.
Es gibt Spieler, die sind so gut, dass sie mit Pokern Millionen verdient haben…
und das nicht durch einen lucky Hit im Turnier…
sondern über einen längeren Zeitraum hinweg mit einer großen Samplesize. *[1] *[2]
Und wiederum andere Spieler, die konstant verlieren (*zu einem meiner Leser rüberschiel*).

Der Unterschied zwischen einem Losing und Winningplayer liegt in der Quantiät, mit der er qualitative Entscheidungen trifft.
Der Spieler, der im Vergleich zu seinen Kontrahenten häufiger zur richtigen Schlussfolgerung kommt :
-also foldet wenn er hinten ist
callt/raist/setzt, wenn er vorne ist…
wird häufiger einen Pot einstreichen, als Jemand, der :
-gegen die Wahrscheinlichkeit spielt
(für viel Geld nach 4 Outern jagt, obwohl es 40 Karten gibt, die gegen ihn spielen)
-die Stärke seiner Hand überschätzt
(nicht realisiert, dass der Gegner einen da beat haben muss)
-sich zu oft rausbluffen lässt
-in den falschen Situationen blufft, oder aber die Spots verpasst, in denen ein Bluff/Steal/Rebluff sehr erfolgsversprechend ist.

Man kann No Limit Holdem mathematisch komplett auseinanderfrimeln.
Anhand der Setz-, Fold-, Call-, Raise-häufigkeit kann man das Setzverhalten der Spieler analysieren und exploiten.
Und für jede Hand einen optimalen Weg finden(Fallen aufstellen, light Valuebetten, vom Gaspedal gehen, Herocallen, tight folden, …).

Eine gute Beobachtungs-, Kombinations- und Erinnerungsgabe hilft dabei, die Informationen aufzunehmen und auszuwerten.
Jede Einzelne Information kann hilfreich sein…
manchmal sind es Kleinigkeiten…
wie die fehlenden Contibets/Limps mit marginalen Händen, die divergierenden Einsatzhöhe bei Bluffs (rauspressen) und Valuebets (lutschen), strange Calls, Veränderungen in der Spielweise (tilt)… oder im Livegames die Körpersprache, Timetells, Chipbewegungen, Ticks … die einen etwas verraten oder bei unklaren Entscheidungen den richtigen Weg weisen können…
und manchmal ist es pure Unvernunft/geistige Abwesenheit, die zum Verlust führt.

Fakt ist, Poker ist ein Denkspiel. Und auf lange Sicht können wir nur gewinnen, wenn wir auch bei der Sache sind.
Nun bringt nicht jeder die gleichen Voraussetzungen mit…
der Eine ist sehr geschickt im logischen Denken, hat aber ein schlechte Aufassungsgabe, der Andere hat von Mathematik kaum ne Ahnung, besitzt aber ein herausragendes Gedächtnis und Nummer 3 hat von Jedem etwas.

Man wird durch ein paar Übungen nicht von heute auf morgen zum neuen Einstein, weil Genetik und frühere Beanspruchung die Grundstrukturen in unserem Gehirn gelegt haben (und die personentypischen Stoffwechselprozesse es noch immer tun)…
aaaber… das Gehirn ist von plastischer Beschaffenheit … und man kann einzelne Fähigkeiten trainieren und sich verbessern.
Für Gedächtnis und Logik gibt es unzählige Bücher, Lehrgänge und Trainingsprogramme für den Computer und die neueren Smartphones.

Darauf einzugehen, würde aber den Rahmen sprengen.
Deshalb biete ich euch dazu nur weiterführende Links an :

http://www.zmija.de/mnemotechnik.htm
http://www.brain-fit.com/html/logik.html
http://www.gedaechtnistraining.net/

Worauf ich euch sensibilisieren möchte, ist der richtige Umgang mit euren vorhandenen Kompetenzen.
Mindsetoptimierung alleine kann aus einem unerfahrenen Losingplayer keinen Winningplayer machen, …
dafür bedarf es Strategiewissen und Erfahrung (Pokerstrategy hat einen sehr umfangreichen/gut verständlichen Lernkontent & das vermutlich Beste, aber auch anspruchsvollste Pokerstrategiebuch = the Mathematic of Pokern).
Slightlosingplayer können durch diesen Text aber vielleicht zu Breakevenplayern+ aufsteigen, Breakevenplayer zu Winningplayern werden und Slightwinningplayer ihre Winrate boosten.

Nun… ich sehe fast tag-täglich am Pokertisch wie unterschiedlich gut die Qualität meiner Entscheidungen und die der anderen Spieler ausfällt.
Unser Gehirn funktioniert nämlich nicht immer gleichgut oder schlecht.
Gerade wenn wir “emotionalisiert” sind, funktionieren bestimmte Bereiche in unserem Gehirn nicht mehr so gut.
Das ist eine evolutions-geförderte Schutzfunktion, die höheres Denken bei Stresssituationen ausschaltet und aufs Wesentliche (Flucht/Kampf) reduziert.

Grund für den Stress? -> ist der Bezug zum Geld…
unser Gehirn hat damit was Vorteilhaftes veknüpft… und die Emotionen “sollen” das Individuum in die richtige Bahn lenken (so dass es Verlustsituationen meidet).
Am Pokertisch ist dieses Relikt aus vergangener Zeit aber unpraktisch.
Jemand der auf Tilt geht, schadet sich damit vorallem selbst.
Einserseits durch den Stress an sich…
und weil er dadurch noch mehr Geld verlieren wird, als er es sowieso schon getan hat.

Lösungsvorschläge:
a) man arbeitet an seinem Bezug zum Geld (/sich selbst und programmiert seine Ansichten um, in dem man falsche/angstbedingende Ansichten überlagert)
b) man übt sich in mentaler Kontrolle (Entspannungsübungen-> Unterbrechen von Tiltempfindungen, Unterbinden der Hirnwichserei / das Wiederkäuen von Problemen -> allgemeine Gelassenheit/Tiltunempfänglichkeit) / lässt sich vom Neurologen was verschreiben
c) man spielt nur noch um Beträge, die einem egal sind
e) hört auf mit Pokern

C ist bei Vielen vielleicht gleichzusetzen mit dem D, weil das die treibende Kraft ist(bei Welchen, die nicht spielsüchtig sind oder durch die gesellschaftliche Ablenkung/Zuwendung nach Zerstreuung suchen).
Ich wollte euch aber kein Exkurs in Psychologie darbieten, sondern nur erklären, wie ihr damit umgehen könnt.

Und der erste Schritt ist :
gar nicht erst zu spielen, wenn man nicht in der Stimmung dazu ist…
bzw. das Spiel zu quitten, wenn man unkonzentriert, müde oder auf tilt ist.
Achte nicht auf die Downs…
Versuch nicht deinen Verlusten nachzurennen…
Poker ist eeine laange Session…
und morgen ist auch noch ein Tag.
Wenn Du Deine Edge verspielst und anfängst zu gambeln, wirst Du vielleicht zum größten Donk am Tisch.

Das Nichtbefolgen dieser einfachen Weisheit führt sehr häufig zu einerAbwärtsspirale…
auch Alkohol drückt die Gewinnspanne / kann schnell ein finanzielles Desaster hervorrufen.

Und Keiner der regelmäßig große Mengen konsumiert, wird den Durchschnitt+Rake über Jahre schlagen können…
(ich weiß, wovon ich rede… ;-) & tinke mittlerweile kaum noch bei nl100+)

Ganz wichtig für das Mindset ist das Bankrollmanagement.
Viele die auf Scared Money spielen entscheiden sich nicht für den besten Weg/sondern spielen auf Verlustminimierung->geraten auf Tilt.
Ein adäquates Bankrollmanagement (beim Cashgame mind. 20×100bb)  erhöht hingegen die Toleranz/Frustgrenze bei nem Verlust.

Entspannungs-/Konzentrationsförderungstechnik:
man setzt oder legt sich an einem ruhigen Ort bequem hin…

-atmet bewusst ein und aus…
-verfolgt den Weg der Atmung
-macht sich bewusst :
ich atme ein…
ich atme aus…
spürt das Heben und Senken der Bauchdecke…
und registriert : wenn man an etwas (Anderes) denkt.
Sobald man in Erinnerungen schwelgt… etwas plant, Probleme wälzt… hält man sich vor Augen, dass man in Erinnerungen schwelgt
und richtet seinen Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung…
Sinn der Sache ist es, seinen geistigen Fokus zu schärfen…/ überflüssige und schädliche Gedankengänge/erlernte Reaktionen (die, die Stress/Zorn/Angst/Trauer/Wut/Verzweiflung/Stress bedingen) im Keim zu ersticken…und sein Gehirn so zu optimieren.
(denn das hilft ebenfalls am Pokertisch)…

Zu guter Letzt noch ein Keyskill zum Success : Tableselection.
Wer sich eingesteht/wer erkennt, dass er seinen Gegnern spieltechnisch nicht gewachsen ist…
und dann nicht spielt, kann sogar vom slight-Losingplayer zum Winningplayer werden ;-)

inspiriert durch:
-The Poker Mindset : essential Attitudes for Poker Success
-Neurobiologie
und eine alt-indische Philosophie

[1] [2]
http://www.fuzionpoker.com/online-poker/best-worst-online-poker-players/
http://www.pokertableratings.com/top-poker-winners-year
http://www.pokerlistings.com/market-pulse/poker-player-stats/money-losses

May 18th, 2010 by max

Da ich gerade Unmengen an Zeit habe, möchte ich meine Donkeythought-Sektion erweitern und anhand der 92- Hand zeigen, wie ihr Hände lesen und Reads auf Spieler entwickeln könnt.

Cashgame 0.5/1
Stacks:
UTG Kipper998 ($53.40)
UTG+1 Olivia2 ($226.35)
CO fxfresh ($156)
BTN wulfy ($170.45)
SB mira24 ($150.65)
BB Hero ($100)

Pre-Flop: ($1.50, 6 players) Hero is BB 9 2
4 folds, mira24 calls $0.50, Hero checks

Flop: 9 2 7 ($2, 2 players)
mira24 checks, Hero bets $2, mira24 calls $2

Turn: Q ($6, 2 players)
mira24 checks, Hero bets $4, mira24 calls $4

River: 10 ($14, 2 players)
mira24 bets $8, Hero folds

Da ich neu am Tisch war, hatte ich keinerlei Reads auf den Spieler.
Aber es ist nicht so unüblich, dass man auch im Spiel um die Blinds Postflop bei den Stacksizes auch erstmal mit dem Middlepair callt.
Das heisst, man kann praktisch kaum irgendwelche Rückschlüsse auf die Hand ziehen. Ganz grob würde ich also auf also auf 7x,2x, 68, oder t8 tippen (9x hätten die Meisten wohl angespielt). Ganz ausschliessen kann man einen Gutshotcall mit J8, TJ oder gar 56 (was imo. schon sehr gruselig wäre) aber auch nicht.
Die Bet am River kann eigentlich nur Eines bedeuten … und zwar improvement.
Da ich die ganze Zeit durchgebarrelt habe, ist es unwahrscheinlich, dass mit ner Zehn nochmal ooP angespielt. Da zumindestens ein Thinkingplayer wissen müsste, dass (ohne Reads) kein Wert in dieser Bet (Hand mit Showdownpotential) steckt.
Somit fallen schon mal die meisten Draws raus.
Eine starke Hand hätte er sicherlich am Flop schon gebarrelt. Und wenn er tatsächlich mit T2 oder T7 gecallt hat, lieg ich ja eh hinten.
Am Wahrscheinlichsten ist aber ein Call mit 68.
Potcontroll am Flop (was ich btw. angespielt hätte) + Bet nach improvment.
Und sonst liegen ja auch keine Draws weiter draussen bzw. wenn er die Intension gehabt hätte, zu bluffen, wäre es natürlich am Flop viel sinnvoller gewesen.
Für mich ist es deshalb ganz klar ein einfacher Standardfold. Allerdings teilen (wie ich heute mitbekommen habe) nicht alle Spieler meine Ansicht.
Und genau deshalb möchte ich hier nochmal etwas näher darauf eingehen, wie ihr eure Readingablities verbessern könnt.

Gerade wenn ihr in eurer Homerunde oder im Casino sitzt, könnt ihr euch nicht auf eure Stats verlassen und müsst selbst herausfinden, wie die Villians spielen.
Die folgenden Fragen (NLHE) sollte man sich auch dann stellen, wenn man nicht in einer Hand ist (also nur zuguckt) um so zumindestens Vermutungen über das allgemeine Setzverhalten ziehen & die Readingabilities schärfen zu können.
-Was für karten spielt er?
(generell, was für karten limpt / raist er preflop?)
-Wie spielt er Draws? (spielt er sie grundsätzlich an? wenn ja, was für welche?
-beeinflusst die position und action, wie er seine Draws spielt?)
-Stealt er in Position? (setzt er häufig, wenn zu ihm hingecheckt wird)
-(wie oft) greift er vom button/cutoff die blinds an? (wie reagiert er im battle um die blinds auf 3bets? wenn er häufig foldet = slowplay mit solid hands/reraise mit marginalen hands, wenn er viel callt : 3betting 4 value, erweiterung der callingrange je nachdem auf zb. j9+)
-verteidigt er seine blinds? (wenn ja, wie oft?)
-mit was für karten geht er in den showdown?
-setzt/raist er sehr häufig? / wurde er schon mehrfach beim bluffen erwischt? (auch instamucks am river sind zu bewerten)
oder gehört er zu den spielern, die nur mit madehands setzen?
-mit welchen händen/wie oft rereaist er preflop? (flatcallt er tags mit ak und tt/jj nur? -> dann instafold qq auf 3bet hin)
-wie oft reraist er postflop?
-contibettet er? oder habt ihr schon mal gesehen, dass er als pfa gegen ~2 spieler auf nem dry board einfach gecheckt (oder ganz schlimm : behind) gecheckt hat?
-checkt er häufig (als pfa) den turn, nachdem er ge-c-bettet hat? (dann könnt ihr zb. auch easy eure callingrange mit 44 auf dem 23Q board erweitern)
-spielt er (halbwegs) mathematisch korrekt? (oder drawt er auch nach overcards und gutshots? -> hilft die hand zu definieren)
-wie oft foldet er auf 3bets? (ist wichtig, damit du ihn auch mal ip. mit sc reraisen oder mit kk/aa nur flatcallen kannst)
-slowplayed er seine monster häufig?
-kann er sich auch von guten karten trennen?
-wie spielt er/wieviel setzt er mit marginale(n) haende(n) (betreibt er damit smallballpoker? / kann man ihn da oft noch rausbluffen?)
-wie verändert sich die foldeq. bei big bets?
-ist er imstande, herocalls zu taetigen? (oder spielt er nur seine karten?)
-betreibt er solides riverplay? (hilft die range einzugrenzen, also um zu herocallen oder n Monsterfold mit K J auf dem 69Q2Q Board zu tätigen)
-squeezt/floatet er? (nutzt er weakness aus)

kurz gesagt, ihr müsst selbst überlegen, wie jemand seine hände spielt, mit was für ner range er euch callt und dann per ausschlussverfahren alle unlogischen sachen aus der auswahl entfernen.
ich denke, dass ist den meisten auch klar. nur achten viele nicht so explizit darauf.
mit der zeit bekommt ihr auch n gefühl davon, wie ihr die spieler nur anhand der häufigkeit (preflopraises im vergleich zur cbetrate) einschätzen könnt (bedenkt hier zb auch, dass villian nur jedes dritte mal den flop hittet … und wenn seine preflopraisingrange sehr weit ist, ist es noch unwahrscheinlicher, dass er zb. ausgerechnet n overpair hält)
natürlich muss man auch da dann drauf achten, wie sich das spielverhalten einem gegenüber ändert.

Hier einer meiner Lieblingshände, die sich im vergangenen Jahr zugetragen hat.
In dieser Hand kann man sehen, wie all diese Reads hervorragend zum Einsatz kamen.
Blinds 2.5 / 5€
Dealt to Hero AsTs

UTG 2 limpt, MP2 limpt, Hero limpt vom Hijack mit AT, Button limpt,SB foldet,BB checkt.

Le Flop : 3 j 9
check,check,check… Hero setzt 20, Button callt
- Hier war ich es schon als sehr wahrscheinlich betrachtet, dass mein Opponent (Reiner) auf einem Draw sitzt, da er gerne suited Cards spielt und mit nem Middlepair nicht runter callt.
Seine Range beschränkt sich also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf (KJ),QJ,TJ,QT,KQ/xx in Kreuz.
Turn : 4
da ich gegen seine Callingrange schon davon ausgegangen bin, dass ich mit Ace-High hier zu über 50% noch die beste Hand halte & er auf Weakness hin mit nem Draw almost den Pot betten würde; entschied ich mich zu ner Antifloatingbet von 20€ (die er auch niemals mit zb. JT/QJ auf 80€ oder so reraisen würde).
River: 3
Da ich weiss, dass Villain mit QJ oder etwas Schlechterem nur hinterherchecken würde(sehr konservatives Riverplay/keine lighten Valuebets), aber gerne auch mal geplatzte Draws anspielt, hatte ich mir am Turn schon überlegt, dass ich die Hand am River nach meiner Blockingbet= check/call for Bluffinduce spielen werde… denn mit Händen wie AKs oder AQs hätte er Preflop auf jeden Fall erhöht und jeden anderen Draw hab ich beat).
Resultat :
Hero checkt. Villain bets the Pot(nachdem er einige Sekunden lang auf den Pot gestarrt hat). Snapcall!
Button shows Ac8c & Hero gewinnt mit Ace-high, Kicker 10 :-P
Zu meiner Überraschung fanden zwei der erfahrensten Spieler am Tisch, dass er die Hand gut und ich sie schlecht gespielt hab :-P

AK, die stärkste Drawinghand in No Limit Holdem (Fullring).

March 14th, 2010 by max

Da ich immer wieder sehe, wie sehr diese Hand überspielt wird, widme ich ihr heute mal einen extra Beitrag fernab meiner sonstigen Rückblicke/Analysen.

Facts :
gegen eine Randomrange liegt AK zu 65% vorne
(QQ hat im Vergleich dazu = 80%)
und gegen KK hat man immerhin noch >30% & gegen jedes kleinere Paar hat man annäherend einen Coinflip (45%)

Ich selbst spiele die Hand wirklich sehr Villian-abhängig.
Sehr häufig sehe ich  Spieler, die damit um ganze Stacks spielen.
Grundsätzlich ist es meist auch wegen der Deadmoney inside nicht verkehrt(vorallem Shorthanded). Allerdings muss man sich auch mal vor Augen halten, gegen wen man spielt.
Die meisten tighten Spieler haben am Fullringtisch eine begrenzte EP/MP Raisingrange (TT+,AQ+), von diesen Händen würden die Meisten (ohne besondere Reads/Gameflow) = mit QQ,KK,AA und AK ihr ganzes Geld reinschieben.
Gegen diese Range hat AK allerdings nur ne 39% Gewinnchance …

Ich selbst kein Fan von Coinflips (zumindestens nicht, wenn es um mehrere Hunderter geht). Meine Devise ist ganz klar : ich schieb mein ganzes Geld rein, wenn ich mich als Favorit sehe oder aber mir entsprechende Foldeq. ausrechne. (hab letztens zb. auch für 140€ mit 72off ausm SB gesqueezt, weil ich davon ausgegangen bin, dass die tighten Flatcaller sich auch von AQ/ihren Jacks/kleineren PPs trennen werden).
Wenn ich allerdings mit nem Call rechne (bzw. selber vor die Entscheidung gestellt werde) dann ziehe ich es vor, keine allzugroßen Geldsummen in marginale Spots zu investieren (denn dann könnt ich ja genausogut auch Roulette spielen und auf schwarz oder rot setzen).
Denn wenn es Preflop zu nem All In kommt, sieht man man normalerweise selten Hände, die man da noch dominiert (wie zb. AQ).
Das ist natürlich was ganz anderes, wenn man gegen LAGs/Maniacs spielt.
Wenn ich Jemanden in vergleichbaren Spots schon dominated Hands hab shippen sehen, ist das ein instacall/push … auch für mehr als 100bb.
Genauso reraise ich auch Spieler mit Crap(A3off, SC/One-Gapper), die zb. ne viel weitere Openraising als Reraisecallingrange haben.
Wichtig ist in dem Zusammenhang also, dass man sich merkt wie andere Spieler ihre Hände spielen. Es gibt sehr passive Spieler, die zb. mit QQ und AK selbt gegen LAGs auch nur standardmäßig flatten(oder diese Hände sogar auf n Reraise hin openfolden) und gegen solche Spieler ist man gegen die Range, gegen die man dann “flippen” darf schon ziemlich tod(4 zu 1 underdog).^^

Selbiges gilt auch für mein Preflopspiel (damit mein ich 90bb+ Cashgame)…
AK hat den Nachteil, dass es nur ne Drawinghand ist. Man trifft also nur in 31.25% der Fälle den Flop.
Wenn man nun vorher reraist (immer vorausgesetzt dass die Range so tight ist wie oben angenommen), dann hat man Postflop in 70% der Fälle bei nem großen Pot meist ne blöde Entscheidung zu treffen. Denn viele Spieler können sich nicht von zb. QQ oder Jacks trennen. Gegen Stations oder argwöhnische Spieler (die einen dann mit 88 callen, weil sie einem das Overpair nicht geben oder dich im Battle of the Blinds = mit 97 floaten) ist es auch nicht unbedingt ev+ da weiterzubarreln. Und wenn man gegen solche Spieler spielt, eignet sich meiner Ansicht nach der Fit/Fold-Modus (also n Flatcall) am Besten, zumal man dann auch Hände wie AJ/AQ nicht vertreibt.

Cliffnotes :
gegen Randomtags/Nits/Rocks/Stations : eignet sich Smallballpoker am Besten.
gegen Semitags/LAGs/Maniacs (oder Spieler die sehr häufig auf 3bets folden) : ist es ein easy Raise bzw. Push, als Shortstack/Midstack oder im Battle of the Blinds sowieso.
Und auch wenn meine Cbetfreq.(SH) bei 84% liegt, würde ich euch vorschlagen, dass ihr euch an der wahrgenommenen/unterstellen Pre/Postflopcallingrange orientiert.
Gerade in Multiwaypötten oder gegen unerfahrene Spieler ist es manchmal besser, einfach darauf zu verzichten (als mit Ace-high in den unmöglichsten Spots bis zum bitteren Ende durchzuballern, so wie es viele Spieler ja immer noch tun …).


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